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Ein Lebenszeichen aus Berlin

Liebe Familie, liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Damen und Herren!

Es wird Zeit für ein „Lebenszeichen“ von mir, mit herzlichen Grüßen aus Berlin und verbunden mit meinen besten Wünschen. Kaum zu glauben, dass die ersten zwei Monate des Jahres bereits “ins Land” gegangen sind. Seit Silvester war ich intensiv unterwegs gewesen: Da waren die Konzerte zum neuen Jahr mit der Elblandphilharmonie Sachsen im Großraum Dresden, dann ein sehr musikalischer Heinz-Erhardt-Abend mit dem Preußischen Kammerorchester in Prenzlau, es gab zwei Robert-Stolz-Veranstaltungen in Oberösterreich und den Ball der Theaterfreunde in Regensburg. Seit knapp einer Woche bin ich wieder in der schönen Berliner Wohnung zu Gast, hatte schon eine leichtere Erkältung und Husten und erwarte nun die „kalten Tage dieses Winters“.

Seit Mitte November bin ich damit beschäftigt, meinen Magen zu verkleinern, die Portionen zu reduzieren und Gewicht „zu verlieren“, das ist eine mühsame Angelegenheit. aber ich sehe erste kleine Ergebnisse. Und das macht mir Mut. Im April möchte ich nochmals intensiv rangehen, zumal mir auch der Arzt geraten hat, meinen Körper zu entlasten und deutlich abzuspecken. Na, dann soll es diesmal auch so sein. Bis zu den Eutiner Festspielen im Juli (mit Proben im Juni) soll ein deutlich sichtbares Resultat vorhanden sein.

Ansonsten gibt es derzeit sehr viele Baustellen, die mich beschäftigen:
Da ist der Krach mit der Coburger Sommeroperette, am Freitag, 23.02. war ein Artikel in der „Neuen Presse Coburg“, der den Schuldenstand des Vereins offenbarte. Die Reaktionen sind, wie zu erwarten, zweispältig. Auf der einen Seite erhielt ich Lob für den „Mut“, auf der anderen Seite werde ich beschimpft und als Lügner bezeichnet. Es gäbe viel dazu zu sagen, aber wenigstens ist die Öffentlichkeit nun darüber informiert. Nun wäre es eigentlich nötig zu hinterfragen, welche Kontroll-Organe in Bezug auf den Verein versagt haben – denn der Schuldenstand ist nach wie vor nicht bekannt, und es ist auch nicht klar, wie diese Schulden im Zusammenhang mit einer neuen Produktion abgebaut werden können.

Die Uraufführung von „Stille Nacht!“ bringt nun auch deutliche Probleme mit sich, zudem wird es schwierig eine Besetzung zu finden. Und auch die Darstellung des Stoffes ist umstritten.Wie will bzw. soll man die Entstehung des Liedes erzählen? Erwartet das Publikum eine fröhliche Weihnachts-Revue? Wie realistisch soll die kriegerische und deprimierende Zeit vor 200 Jahren auf die Szene gebracht werden? Ich bin neugierig, wie das endet. Im schlechtesten Falle findet die Uraufführung nicht statt, wenn die Vorlage nicht taugt und keine Zustimmung findet. Aber, ich bin hier bei allem sehr realistisch: Auch das wäre kein Beinbruch. Mir ist es schon öfter passiert und die Welt drehte sich weiter. Es heißt zurecht: Papier ist geduldig.

Und über Geschmack lässt sich nicht streiten. Mich mit dem “überdimensionalen” Richard zu vergleichen wäre vermessen. Und doch: Was wäre geworden, wenn er beim “Tristan” umgedacht hätte? Oder Zugeständnisse gemacht? Und was er musste er nicht alles “einstecken”? Das Schlimmste fand ich vor einigen Jahren von einem Musikjournalisten anlässlich der Götterdämmerungs-Premiere in der Regie von Frank Castorf, der tatsächlich meinte, die Götterdämmerung sei ohnehin kein “besonders gutes Stück”! Was für eine Vermessenheit! Nichts Großes im eigenen Leben geleistet und eine derart dumme Kritik! Anders hätte man fragen können: Wie gut nämlich ein Werk sein muss, wenn es eine derart idiotische Interpretation wie die von Castorf verkraften kann?

Das „Friedelind-Wagner-Projekt“ mit dem Festival junger Künstler Bayreuth scheint hingegen auf einem guten Weg zu sein. Die Realisierung steht für Mitte August an, wenn es gelingt, alle Finanzierungslücken zu schließen. Es wird halt heutzutage immer alles nur teurer, teurer, teurer, obwohl im Prinzip keiner etwas daran „verdient“. Es sind schlichtweg nur die Kosten, um das Leben auch der Mitwirkenden zu finanzieren, während sie künstlerisch arbeiten. Manchmal frage ich mich, wie unsere Ahnen das früher im 19. Jahrhundert gemacht haben, in einer Zeit
mit Uraufführungen und ohne “festes” Repertoire. Es wurde viel mehr gewagt, ausprobiert, es war nicht alles gleich „für die Ewigkeit“. Heute geht es um Nachhaltigkeit, alles soll sich „rentieren“,
auch wir Menschen sollen uns immer nur noch rentieren, unsere Existenz hängt einzig davon ab, ob wir “verkaufbar” sind, ob und wie gut wir funktionieren. Das ist so absurd, da wir doch gleichzeitig Meister im Wegwerfen geworden sind! Es geht nicht mehr darum etwas zu kreieren, weil es im Moment wichtig (und richtig) ist.

Aus einer lebendigen Diskussion könnte man viel lernen, eben „einfach“ nur durch Zuhören, Miterleben, Miterleiden. Und daraus Rückschlüsse für die eigene Existenz ziehen.
Aber: Das ist wohl zu anstrengend und widerspricht dem Trend, dass alles leicht konsumierbar sein soll. Aber so „funktioniert“ Kunst eben nicht. Dabei bin ich zutiefst davon überzeugt, dass große Teile der Gesellschaft (und damit unseres Publikums) in ihrer Aufnahmewilligkeit und Bereitschaft zur Auseinandersetzung deutlich weiter sind, als es uns die Medien und die Politik zutrauen wollen. Man setzt verstärkt auf Verblödung. Denn ohne Widerspruch lässt sich leichter regieren und auch die Medien können uns mit ständigem Kommerz verdummen. Ich bin neugierig, wann wir die erste Oper mit Werbeunterbrechung spielen werden. Verzeihung dafür, dass ich momentan so negativ bin. Es wäre super, könnte man hoffnungsfroh und optimistisch in die Zukunft blicken. Ganz ehrlich: Jeden Morgen versuche ich es wieder und wieder. Dann sehe ich Nachrichten, schaue ein Magazin und überlege mir, ob ich mich nicht doch wieder ins Bett
lege und die Decke über den Kopf ziehe, um nichts mehr hören zu müssen. Aber dann frage ich mich schuldbewusst, was ich dazu tue. Und ich bemühe mich, wenigstens nicht unangenehm aufzufallen und der Welt auf der Tasche zu liegen. So setze ich ein freundliches Gesicht auf und „versuche“, so wie wir alle. Ich biete an, lese und lerne und habe eine Meinung.

In diesem Sinne bin ich für jeden Zuspruch, für jede Unterstützung, für jede Hilfe (im Zusammenhang mit „Friedelind“ auch finanziell) sehr dankbar. Diese streitbare, kluge Frau hat es verdient, als „weißes Lamm“ der Familie mit einer Hommage präsent zu sein. Wer sich mir anschließen möchte, ist von 31. Juli bis 16. August herzlich eingeladen, wir werden, wenn es klappt, in Bayreuth gute zwei Wochen an Friedelind erinnern. Ihr 100. Geburtstag ist übrigens am Gründonnerstag, sie selbst war vor 100 Jahren ein Karfreitags-Kind.

Über Mail-Post oder Post freue ich mich immer, lasse meine Gedanken von Norden nach Süden schweifen, umarme Sie und Euch alle und bin
bis zum Wiedersehen Ihr/ Euer Rucksack-Berliner Claus

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