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Künstlerkneipe Eule zum 180. Geburtstag

Ein Geburtstagsgruß zum 180. der „Eule“

Es ist heute eines der ältesten Gebäude Bayreuths – das, in dem die berühmte „Eule“ untergebracht ist. Früher in der „Ochsengass“ (und sicherlich nicht wegen eines möglichen Stammtisches), heute Kirchgasse 8, findet sich das Häuschen, das bereits 1444 erstmalig in Aufzeichnungen Erwähnung fand. Seit damals beherbergte es Tuchscherer, Bäcker, Weber und Schulmeister; sogar eine Bademagd war dabei und auch schon ein Trompeter (Einer der kürzesten Musiker-Witze? Ein Musiker geht an einer Kneipe – vorbei).

Bei beiden großen Stadtbränden von 1605 und 1621 wurde es Opfer der Flammen und wurde gottlob immer wieder neu errichtet. Dann wohnten Sattler, Schuster, Schneider in den Kammern, und 1739 gar ein „Kammer-Musicus“ – so vergingen Jahrzehnte und ein weiteres Jahrhundert. Generationen von Nachtwächtern mögen am windschiefen Gemäuer vorbeigezogen sein? Die Geschichte des Hauses mit seinen Handwerker-Bewohnern erinnert ja tatsächlich ein bisschen an Wagners „Meister- singer“, der Schuster hätte auch ein Hans Sachs sein können, dessen Schwänke bis heute erhalten blieben. Aber dann spielte der 2. Akt der heiteren Oper tatsächlich in der Ochsengass, was für die weitere Verwendung namentlich der unteren Räume als Schankstuben nicht ohne Ironie wäre. Denn am 12. Juni 1838, also vor 180 Jahren, sattelte der Schuhmachermeister Johann Matthäus Eule zum „Bierwirt“ um –und die Geschichte des Bayreuther Traditions-Wirtshauses begann.

1843, im Jahr der „Holländer“- Uraufführung eines gewissen Richard Wagners in Dresden, übernahmen dessen Witwe, die Ursula Eule und der Schwiegersohn die Leitung des nun so genannten „Eulen-Nestes“, in dem sich auch heute die Gäste noch wie Zuhause fühlen können – und ob die beiden auch einmal den Bayreuther Meister, nach dessen Übersiedlung ins Städtchen 1871, als Biertrinker, der er war, begrüßen durften? Vorstellbar wäre es, denn der Komponist war dem Gerstensaft leidenschaftlich zugetan – also, warum nicht?

Wie viele Festspielbesucher, auch internationale, seit 1876 das eher einfache Bier-Lokal der Einheimischen zunächst besuchten, ist nicht recht nachvollziehbar, denn die „große Zeit“ der „Eule“ hatte noch nicht begonnen… doch durstige Kehlen, vor allem nach langen „Götterdämmerungen“ oder „Parsifälern“ gab es doch bestimmt immer. Und die einzelnen Instrumentengruppen des grandiosen Festspielorchesters pflegten zu allen Zeiten ihre Stammtische in unterschiedlichen Gasthäusern, warum also nicht auch in der „Eule“, wie die Restauration durch ihre Besitzer dauerhaft heißen sollte.

So wurde 1893 denn auch der Gastwirt Hans Meyer zum nächsten„Eulen-Wirt“. Und seine Ehefrau Anni, von der später noch zu erzählen sein wird, zur allseits gerühmten „Eulen-Wirtin“, die als begnadete Köchin, die die Eulen-Meyerin wohl war, ihre berühmten Gäste zu umsorgen verstand. 

Wie die „Eule“ jedoch vom Bier-Wirtshaus zur sogenannten „Künstlerkneipe“ wurde?

Schon knapp vor der Jahrhundertwende suchten einzelne Sänger an den Tischen in der Kirchgasse Nahrung für Leib und Seele, Entspannung und Gesellschaft, von einer Künstlerkantine im Festspielhaus selbst konnte damals noch keine Rede sein. Die Festspielgastronomie oben am Grünen Hügel war improvisiert und stand den Besuchern wie dem Ensemble gleichermaßen zur Verfügung. Man mag sich dieses Gedränge während der Pausen heute kaum vorstellen können, die beengten Räumlichkeiten der Gesamtanlage hatten, nach Aussage des sich erinnernden Festspielleiters Wolfgang Wagner, bis in die zwanziger Jahre den Charme eines Sommerlagers mit Picknick-Charakter – wohin jedoch nach einer kräftezehrenden, durch die Sommerhitze aufgeladenen, schweißtreibenden Festspielaufführung?

Die Restauration Angermann, Wagners geliebtes Stammlokal, in der Kanzleistraße (da, wo sich heute das Postamt Innenstadt befindet) schloss 1908 seine Pforten, viele Sängerinnen und Sänger waren buchstäblich „heimatlos“ und suchten ein neues Domizil – so ging der Stern der „Eule“ endgültig auf.

Die Eulen-Meyerin wusste sehr bald, was welcher Künstler gerne aß, wie sie wen verwöhnen und locken konnte, so dass alle gerne wiederkamen und sich bei ihr wohlfühlten. Die Ära der Anni Meyer dauerte bis Mitte der 1960ziger, dann erst folgte eine nächste Wachablösung – zwischenzeitlich lösten auch Wirte und Wirtinnen einander ab, eine Berg- und Talfahrt der Beliebtheit begann, das ständig wechselnde und sich erneuernde Festspielensemble fand andere Herbergen, bis das Haus 2012, nach desolatem Zustand liebevoll saniert und erneuert, wiedergeboren dasteht und der neue „Eulen-Wirt“ Harald Kaiser im Juni 2018 den 180. Geburtstag einer Bayreuther Traditions-Einrichtung mit seinen Gästen feiern kann!

Erinnerungen an die „Eule“ erzählt uns der berühmte Helden-Wagner-Tenor Leo Slezak, der übrigens am 18. August 2013 seinen 140. Geburtstag feiern könnte – er kam als Mittzwanziger mit einem Freikarten-Stipendium zu den Festspielen zu Besuch, das war im ersten Jahr seiner Künstlerlaufbahn in Brünn (tatsächlich sang er dort mit 23 Jahren, also 1896 seinen ersten „Lohengrin“!). Es erwachte in ihm „die Sehnsucht, nach Bayreuth zu pilgern und dort an geweihter Stätte die Wunder Wagner’scher Werke zu hören und zu sehen!“ Ich zitiere den „Dichter und Sänger“ (seine eigene, herrlich verschrobene Reihenfolge) nach seinem Memoirenbändchen „Meine sämtlichen Werke“, dem noch zwei weitere, nämlich „Der Wortbruch“ und „Rückfall“ folgten:

„Ein Gesuch an die Festspielleitung um ein Freibillett für den Zyklus – vier Abende ‚Ring des Nibelungen‘ und ‚Parsifal“ – kam in günstigstem Sinne erledigt zurück, es wurde nur die Bedingung gestellt, dass ich in Bayreuth Frau Cosima Wagner vorsingen müsse…“ (Das war eine Sparmaßnahme der Wagners, die sich, ohne große Reisekosten, einen Überblick über den sängerischen Nachwuchs verschaffen konnten – die Stipendiatenstiftung, eine Idee Wagners, funktioniert bis heute und schafft eine erste Beziehung junger Gesangskünstler zum Wagner’schen Werk, so dass in vielen ehemaligen Stipendiaten schon beim ersten Festspielbesuch der Wunsch entsteht, hier einmal mitwirken „zu dürfen“!)

So war es auch beim jungen Tenor Slezak, der (obgleich einer der gefragtesten Wagner-Interpreten über die folgenden dreißig Jahre) niemals auf der Festspielbühne zu erleben war. Drei Gründe: Sein Vorsingen bei Frau Cosima – seine späteren Spitzengagen auf der ganzen Welt! – und drittens: In Bayreuth gibt es eben nur einen „Star“, den Meister selbst (so der Bayreuth-Dirigent Christian Thielemann).

Herrlich zu lesen, schildert der großartige Künstler und Komödiant (ab den dreißiger Jahren auch in vielen Musik-Ton-Filmen) seine abenteuerliche Bahnreise in einem Waggon der Dritten Klasse, dann seine „originelle“ Unterkunft in einem Privat-quartier für nur „fünfzig Pfennig“ pro Tag, seine damit verbundenen Qualen als „Riese“ in einem „Zwergenbett“ – doch was hätte man schon für diese Mini-Summe an Komfort erwarten können? Das Vorsingen bei der Festspielleitung (Cosima Wagner hatte gerade die zweite komplette „Ring“-Inszenierung der Wagner-Festspiele seit der Uraufführung 1876 in ihrer eigenen Regie auf die Bühne gebracht, auch Regisseurinnen mit dem Namen Wagner haben eine lange Tradition!) war für seinen letzten Aufführungstag vorgesehen. Als „erstes“ jedoch hörte (und er schreibt „hörte“, denn damals war die Musik in der Oper noch das Allerwichtigste) er „Parsifal“:

„Zwei Stunden früher war ich schon am Festspielhügel und sah mir das Ankommen der Gäste an. Hinter einem Pfeiler versteckt, schaute ich sehnsuchtsvoll auf die Gruppen der Künstler und Fürstlichkeiten. Wie beneidete ich Alois Burgstaller, der in seinem langen, bis auf die Schulter reichenden Siegfried-Haar mitten drunter stehen durfte… (Der Tenor Burgstaller war durch Julius Kniese in der sogenannten Bayreuther „Stimmbildungs- „ oder Stilbildungsschule künstlerisch geformt worden; über die Bayreuther Konsonanten-Spuckerei, die dabei als Vortragsstil herauskam, wurde oftmals gespottet!) …zum Schluss kam Frau Wagner mit dem jungen Siegfried Wagner und Generalmusikdirektor Kniese im Wagen angefahren!“

Burgstaller, Julius Kniese (u.a. Chordirektor, Musikpädagoge) und später auch Siegfried Wagner (Festspielleiter, Dirigent, Regisseur und Komponist) wurden zu treuen Stammgästen der „Eule“, die nun auch Leo Slezak kennenlernte sollte: „Am nächsten Tage lernte ich Hans Breuer – den Bayreuther „Mime“ – kennen, der mich in die Künstlerkneipe „Eule“ mitnahm. Da saß ich bescheiden an dem äußersten Eckchen des Tisches im Wagnereck, am Abend von sieben bis, bis – also noch länger –  bei einem einzigen Glase Biere und hörte andächtig den Schnurren und Erzählungen der Glücklichen zu, die da mitsingen durften. Der Tafelrunde präsidierte meist Kammersänger Heinrich Vogl und erzählte lustige Geschichten…“

Eine der trefflichsten  gibt Leo Slezak dann wieder: „Das Gehirn des Tenors“. (Alleine diese ist ein Grund, das Büchlein einmal wieder zur Hand zu nehmen und selbst nachzublättern…)

Hans Breuer, auch ein Bayreuther „Student“ und Zögling von Kniese, wurde später ein bedeutender Regisseur und Begründer einer Künstlerdynastie: Sohn Siegfried Breuer wurde Schauspieler und Leinwand-Star, ebenso dessen Söhne und Enkel (Jacques und Pascal Breuer in München heutzutage…)

Und das Vorsingen von Slezak, der als einer der größten Wagner-Sänger schlechthin gilt? Als Cosima Wagner, die Witwe des Meisters, ihn fragte, was er denn vorzusingen gedenke, erklärte der junge Sänger frank und frei: „Die Bajazzo-Arie“!

Hinreißend komisch schildert er die geschockten Reaktionen aller Anwesenden, worauf die Festspielchefin verblüfft und reserviert meinte, es sei hier in Bayreuth doch üblich, etwas „vom Meister“ zu singen. Dieser Aufforderung folgte der junge Tenor nicht froh darüber – mit dem „Froh“ aus dem „Rheingold“ („Zur Burg führt die Brücke“):

„Man entließ mich mit dem Bemerken, dass meine stimmliche Begabung denn doch etwas zu dürftig wäre…“ („Wenn ich in der Höhe das gehabt hätte, was mir in der Tiefe fehlte, dann hätte ich über eine gute Mittellage verfügt!“) Immerhin ging Slezak in die Festspielhistorie als derjenige ein, der in Bayreuth „Bajazzo“ vorsingen wollte:

„Als ich mich, vernichtet, verabschiedete, glaubte ich in den Augen aller das tiefste Bedauern zu lesen, dass die schönen fünf Freikarten an einen so Unwürdigen vergeudet wurden!“

An einen anderen unvergesslichen Bayreuth-Geschichten-Erzähler, nein, vielleicht:

„den“ Chronisten über Jahrzehnte hinweg (wie Bernd Mayer ein anderer und Dr. Manfred Eger ein anderer war) sei an dieser Stelle erinnert, nämlich an Erich Rappl, dessen fünftem Todestag wir am 16. Juni 2013 in Dankbarkeit gedenken wollten.

Als Musikkritiker begleitete er die Entwicklung Neu-Bayreuths und präsentierte Jahr für Jahr kluge Rezensionen, die konstruktiv Inszenierungsarbeit wie Sängerleistungen und Dirigate be- und niemals „ver“urteilten. Als Dramaturg und Vortragender half er über Festspielzeiten hinweg Neueinsteigern wie Kundigen mit seinen Einführungsvorträgen einen Einstieg in die Wagner’schen Werke zu finden – und nicht zuletzt skizzierte er als Einheimischer liebevoll satirisch, manchmal kritisch, manchmal boshaft dialekt-verliebt die Eigenheiten seiner Heimatstadt Bayreuth, seiner Mitbürger und der Festspiel-Gemeinde – und nannte sich dabei „Wafner“, den er als Kombination aus dem Namen des Riesen „Fafner“ und dem Bayreuther Dialektwort für „schwadronieren = waafen“ erfand. Dieser Wafner schrieb Glossen für den Nordbayerischen Kurier, die bald gesammelt in Buchform herauskamen. In diesen wiederum findet sich auch ein Kapitel über die „Eulenwirtin“ Anni Meyer – und ich zitiere aus dem Bändchen

„Mir unter uns“ zur schon erwähnten Wachablösung der „Eulen-Meyerin“, als diese die Künstlerkneipe Mitte der 1960ziger an die nächste Wirtin verkaufte:

„Die EULE ohne Eulen-Meyerin? Man kann es sich kaum vorstellen! Sie hat verkauft: Das Wirtshaus, die Bilder, die Tradition und auch die Gäste – letztere, obwohl der Menschenhandel verboten ist“, so Erich Rappl.

Wie alt mag die Dame wohl gewesen sein? Ihr Ehemann Hans Meyer hatte das Lokal immerhin schon 1893 übernommen… Ich selbst, auch gebürtiger Bayreuther, erinnere mich an den ersten Eindruck, den bei meinem ersten Eulen-Besuch die noch viel umfangreichere Bilder-Sammlung an den Wänden der Gaststuben auf mich machte und mein Gedanke war: Die waren alle einmal hier gesessen!

Künstlerfotos in Kostüm und Maske, private Porträtaufnahmen und Autogramm-Karten, manche in hehren Posen wie „Parsifal“-Sänger, manche abenteuerlich nach Augsburger Puppenkiste aussehend wie „Alberiche“ und „Mimen“, die mich an „Kleiner König Kallewirsch“ erinnerten. Ach ja, das waren noch Zeiten!

Ich erinnere mich an eine Festspiel-Anekdote von 1952:

Ein Festspiel-Besucher mit Gattin besuchte nach der Vorstellung zum späten Nachtmahl die „Eule“. Ihn traf fast der Schlag angesichts der anwesenden Opern-Stars. Aufregt bedeutete er seiner Frau: „Sieh doch mal, da sitzen die Mödl, der Pflanzl, der Greindl!“ – worauf die geduldige Ehehälfte lachend erwiderte: „Beruhige dich. Und da sitzen auch das Karajanl, das Knappertsbuschl und das Keilbertl.“

Genau von diesen „großen Tagen“ der EULE schreibt mit spitzer Feder der Wafner:

„Denn gewaltig ist die Last dieser Tradition und schwierig sind die Gäste, welche die Eulen-Meyerin gleichwohl um den Finger zu wickeln verstand, sonst wären sie auch nie wiedergekommen: Die Begum zuvörderst, die bei ihrer alljährlichen Eulen-Premiere mit ‚Griß Gott, Gnä Frau Prinzessin, schön dass S‘ wieder do sinn!“ begrüßt wurde.

Dahinter Grafen, Barone, Konsuln, Dirigenten, Kammersänger – Hunderte und aber Hunderte, die nach der Vorstellung an reservierten und nicht reservierten Tischen erst zusammengesetzt, dann zusammengedrängt, schließlich zusammengepresst wurden…“

Vergangene Tage – vor allem das gemeinsame Zusammensitzen von Festspielkünstlern und ihren Bewunderern, den Opernfans, scheint uns heute kaum mehr vorstellbar. Leider, möchte man nostalgisch seufzen. Doch verfügt das Festspielhaus heutzutage selbst natürlich über eine eigene, großräumige Kantine mit einem lauschigen Garten zum Sitzen und Verweilen, zum anderen bleiben Sängerinnen und Sänger kaum mehr ohne Unterbrechungen einen ganzen Festspielsommer im Städtchen und reisen mitunter nur noch für ihre Vorstellungen an, die Mobilität macht’s im Gegensatz zu früher möglich – und meistens sind die Künstler auch lieber „unter sich“… am ehesten wäre so ein gemütliches Miteinander noch während der Probenphase möglich, da jedoch sind die Gäste noch nicht vor Ort! So lebt man auch in der guten, alten EULE von der Nostalgie, und wir können nur staunen, was der Bayreuth-Experte Rappl an „Mären aus jungen Tagen“, als Neu-Bayreuth noch ganz neu war, kundtut:

„Zur Massen-Regie großen Stils gehört die Registerfülle einer mächtigen, exzentrischen Seele, die die „Eulen-Meyerin“ auch nicht müde wurde, allabendlich erbrausen zu lassen. Das Register der Härte vorne an –  wider die Bayreuther Nassauer („Also a Bier können S‘ hom, oba um halb zehn müssn S‘ ausgetrunkn hom, da kummen die Gäste!“) – das Register der Liebenswürdigkeit sodann (mit „Griß Gott“ und „Küss die Hand!“, mit Knicks und unnachahmlich gelupfter Schürze) – ferner das Register der ordnenden Strenge („Ja, wo steck ich Sie denn hin, Herr Generaldirektor?“) – das Forte-Register der Verzweiflung wenig später – wenn alles durcheinandergeht und die begonnene Schlacht des Servierens in eine Eulen-Dämmerung umzuschlagen droht – dann endlich, dann, dann hilft nur noch eines: Das Register der Tränen, das die Gäste ebenso erweicht, wie einen aus Versehen zu hart geratenen Gänsebraten.“

Und der Wafner zog folgende Lehre aus diesen EULE-Glanzzeiten, die nun hoffentlich rechtzeitig zum 175. Geburtstag in die alten Gemäuer zurückgekehrt sind:
„Ein ungeheures Lernpensum wird der neue Eulen-Wirt bewältigen müssen, um einigermaßen in der Tradition der Eulen-Geschichten Bescheid zu wissen…“ – mögen dem neuen Eulen-Wirt Harald Kaiser Glanzzeiten beschieden sein, auf dass die EULE auch weitere 175 Jahre in der romantischen Alt-Bayreuth-Gasse zu bestehen vermag, denn: „Denn ein Eulen-Wirt muss wissen, wo der Keilbert saß, als ihm der Wieland…, wo die Silja, als der Stolze mit dem Neidlinger und der Nilsson…“ – ach ja, die legendären Jahre dieser EULE!

Aber, wer sagt uns denn, dass nicht neue Geschichtchen und Anekdoten dazukommen können? Drücken wir ihr die Daumen, der „Künstlerkneipe“ – und herzlichen Glückwunsch zu 175 Jahren, „EULE“!

(Die Auszüge aus dem Text des hochverehrten Erich Rappl erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Frau Gerda Rappl, vielen Dank dafür.  Das Copyright dafür ist ausdrücklich  vorbehalten! – Claus J. Frankl schrieb diese „Nostalgie“ für die EULE zum 175. Geburtstag!) 

Von Leo Slezak stammt übrigens die legendäre Anekdote, dass er dereinst, als Lohengrin auf irgendeiner großen Bühne gastierend, durch Unaufmerksamkeit auf der Seitenbühne das Einsteigen in den „Nachen“ verpasst hatte. So zog der Schwan mit Kahn ohne Lohengrin los, er schaute verblüfft hinterher und fragte dann laut und vernehmlich: „Und wann geht der nächste Schwan?“

Das Gehirn des Tenors (zitiert nach Leo Slezak in „Meine sämtlichen Werke“)

Eines Tages kam zu einem Gehirninternisten ein Mann und klage über einen starken Druck im Hinterkopf. Der Arzt untersuchte ihn und klopfte mit einem Hammer die Gehirnschale ab, um eine Diagnose stellen zu können. Der Spezialist machte ein nachdenkliches Gesicht, es brauche eine gründliche Untersuchung des Gehirns, die mindestens acht bis zehn Tage in Anspruch nehmen dürfte.

„Wissen Sie was, mein Lieber, lassen Sie Ihr Gehirn da, heute ist Dienstag, nächsten Mittwoch können Sie es wieder abholen!“

Der Arzt nahm das Gehirn heraus, legte es auf Eis, und der Patient entfernte sich.

Der nächste Mittwoch kam, der Patient nicht.

Nach 14 Tagen begegnete er endlich dem Mann, der gerade mit zwei schönen Blondinen vor dem Opernhaus herumstolzierte.

„Ja, lieber Herr, was ist denn mit Ihnen? Warum kommen Sie denn nicht, um Ihr Hirn abzuholen?“

„Lieber Herr Doktor, ich danke Ihnen sehr, ich brauche es nicht mehr – man hat bei mir einen Tenor entdeckt!“

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