Sarah

Aktualität der Thematik unserer Chanson-Oper · Inhaltliche Interpretation zur Person Sarah Bernhardt

„Jetzt erst recht!“ war das Lebensmotto der legendären, französischen Schauspielerin SARAH BERNHARDT (1844 bis 1923)

Unser Plan: Keine weitere „Biographie-Schau“, keine „Aufsteiger-Geschichte“ einer Künstlerin – Im Vordergrund unserer Auseinandersetzung mit ihrem Leben steht die FRAU!

Sarah kam aus einer schwierigen Lebenssituation, die ihr Leben prägte. Sie lehnte sich gegen den vorbestimmten Part einer auf weibliches Rollenverhalten trainierten Frau auf und wählte einen Beruf, der für sie zum Lebensinhalt wurde: Das Spielen, das Vorführen, das Beherrschen von „Mitteln“.

Von diesem Augenblick an, verlief Sarahs Leben im 19. Jahrhundert (!) in einem „heutigen“ Spannungsfeld zwischen Außenwelt und Innenwelt, zwischen öffentlichem und privatem Leben.
Man muss sich einfach nur vor Augen führen, dass Sarah in entscheidenden Aspekten eine Vorkämpferin war. Wahrscheinlich wirklich der erste weibliche Superstar der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis ins 20. Jahrhundert hinein. Als Künstlerin verkörperte Sarah einen neuen Frauentyp, privat und auf der Bühne. Sie war die „Heldin“, die „Titel-gebende“ Figur der Stücke, die Dichter ganz speziell ihr auf den Leib schrieben. Man denke nur an die „Kameliendame“, an „Tosca“ oder „Salome“, um nur einige zu nennen.

Nicht zuletzt: Sarah „nahm“ sich Männer-Rollen und machte sie zu „Hosen-Rollen“, wie z. B. den „Hamlet“.

Sarah wurde für Frauen und Männer zur Projektionsfläche für unerfüllte Sehnsüchte, denn sie hatte eine androgyne Ausstrahlung, sie war höchst „poetisch“ und „lyrisch“.

Sarah hatte Beziehungen nach allen Seiten, auch ein heutiger Aspekt: Sie wurde leidenschaftlich geliebt und heftig gehasst, manchmal verurteilt für Freiheiten, die sie sich leistete, verurteilt von einer von Männern dominierten Gesellschaft, in die sie einbrach – mit großem Erfolg.

Sarah war eine der ersten Theaterdirektorinnen und Regisseurinnen, sie schuf sich Freiräume zur Selbstentfaltung.

Sarah wurde Spiegel und bespiegelt. Sie wehrte sich gegen Krankheit und Alter und gab nicht auf. Sie „zahlte“ für die Freiheiten, die sie lebte, die je nach Ansicht Egoismus oder Selbstentfaltung war, ihr Leben lang blieb sie auf der Suche nach Liebe. Die entbehrte Geborgenheit machte sie einsam…

Sarah war und ist – auch nach heutigem „Zeitgeist“ und Verständnis, eine „moderne“ Frau. Deshalb ist uns ihre Lebensgeschichte so nah geblieben.

Dies ist unser Plan: Einen Menschen ­ Sarah – auf seiner ständigen Suche zu porträtieren. Sie führte exemplarisch das Spannungsfeld vor, in dem sich Frauen befinden, wenn sie Privatleben und Karriere vereinbaren wollen – damals wie heute.

Doch Sarah Bernhardt gab niemals auf! Oft geriet sie in Gefahr, sich zu verlieren, zu scheitern. Ihr Motto war eben: Quand Même! Jetzt erst recht!

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